Menschen in Zeiten von Corona. Wie gehen sie damit um?


14. April 2020   Dr. Sophia Bolzano
Corona-Zeit

Menschen in Zeiten von Corona. Wie gehen sie damit um?

„Lokalaugenschein“ mit einer Mutter von 2 Volksschulkindern

Die gegenwärtige Corona-Zeit stellt uns vor große Herausforderungen. Vor allem Familien mit jüngeren Kindern, gepaart mit Home Office kommen an ihre Grenzen. Wir haben eine Mutter mit zwei Volksschülern zum Interview gebeten. Sie erzählt von ihrem Alltag und auch darüber, welche ihrer Stärken jetzt gefragt sind.

Was ist denn der größte Unterschied in Ihrem Leben zur Zeit vor Corona?

Ich bin den ganzen Tag mit den Kindern zu Hause, ich habe noch weniger Zeit für mich, muss mich dauernd um mehrere Sachen gleichzeitig kümmern. Alle wollen etwas von mir …

 

Wie halten Sie Kontakt zur Außenwelt?

Zoom-Teammeetings mit der Arbeit, Telefonate mit meinen Eltern, WhatsApp mit den Freunden, am Abend ein bisschen Facebook.

 

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem neuen Alltag?

Allem gerecht zu werden (Beruf, Kinder, Homeschooling, Haushalt, Eltern) und dabei gute Laune zu bewahren, denn in Wahrheit ist es besonders für die Schulkinder ein enormer Einschnitt in ihrem Leben.

 

Wie schaffen Sie es, Kinder, Mann, Homeschooling, Arbeiten und Haushalt inkl. Kochen unterzubringen?

Indem ich 2 Stunden vor den anderen aufstehe und um 21.00 Uhr todmüde ins Bett falle. Ich versuche, genaue Strukturen einzuhalten, die ich bei den anderen meist gut umsetze, aber dann komme ich drauf, dass ich meine eigenen Sachen nicht schaffe…

 

Wie läuft ein Tag bei Ihnen ab?

Ich stehe als erste auf, mache Frühstück, versuche schon, Kleinigkeiten im Haushalt zu machen. Im Idealfall sitze ich schon eine Stunde am Computer, bevor die Kinder aufstehen. Um 09.00 Uhr beginnt die „Schule“, die Lernzettel werden abgearbeitet, dazwischen gibt es Pausen, wo die Kinder meist in den Garten gehen. Hart wird es, wenn ich Zoom-Meetings oder wichtige Telefonate habe. Oft ist es so, dass die Kinder genau dann etwas von mir wollen oder Hunger haben.

Gegen 12.00-13.00 Uhr mache ich Mittagessen, dann ist meist bis 14.00 Uhr Mittagspause für alle. Am Nachmittag versuche ich, nochmals zu arbeiten, die Kinder dürfen frei spielen, lesen oder ähnliches. Am späten Nachmittag wird wieder etwas zu essen gemacht und gemeinsam gegessen. Meist spielen wir am Abend noch ein Gesellschaftsspiel mit den Kindern, manchmal bin ich aber auch schon zu müde.

 

Wie intensiv ist der Kontakt mit der Schule? Wie viele Aufträge und Übungen werden eingefordert?

Beide Lehrer meiner Kinder haben eine WhatsApp-Gruppe, wo täglich Informationen reinkommen. Liest man diese nicht jeden Tag genau, ist man meist schon hintennach. Außerdem werden die Lernaufträge der Woche per Mail geschickt, zusätzlich soll man auf einer LernApp (Anton) üben, dazu kommen wir fast gar nicht. Nach zwei Wochen werden die Lernaufträge in der Schule in einer Box eingesammelt.

In der ersten Woche hatten wir noch wenige Lernzettel, da war ich recht entspannt, dann wurde es jede Woche mehr. Jetzt werden auch Übungen zu Sachunterricht, Werken, Religion, Englisch, Musik ausgeteilt, die man teilweise zusammen mit den Kindern machen muss.

Die Lehrer sagen zwar, man muss nicht alles machen und es ist nur Wiederholung, aber man fühlt sich schon unter Druck gesetzt, wenn man nicht zu den „Fleißigen“ gehört.

 

Wie schauen Sie und Ihr Mann auf Bewegung, wie halten Sie sich fit? Wie bewegen sich Ihre Kinder?

Die Kinder bewegen sich viel im Garten, da habe ich keine Bedenken. Ich habe mir extra eine Kinder-Yoga DVD besorgt, aber dazu war noch keine Zeit. Die Ballettlehrerin meiner Kinder schickt auch regelmäßig Videos, zu denen sie tanzen können.

Ich und mein Mann bewegen uns kaum, wir schaffen es nicht mal, jeden Tag eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Ich wollte eigentlich die Corona-Zeit nutzen, um jeden Tag in der Früh eine Stunde Walken zu gehen. Aber da ich meinen Tag so schon fast nicht schaffe, opfere ich diese Zeit und erledige dann andere Dinge, die liegen geblieben sind.

 

Was ist das Anstrengendste in dieser neuen Welt?

Die tausenden Fragen der Kinder! Und dreimal am Tag zu kochen, meine Kinder essen auf einmal so viel!

 

Wie kontaktiert Sie Ihr Arbeitgeber? Wie funktioniert das alles?

Ich telefoniere regelmäßig (mehrmals täglich) mit meiner Chefin, alle 2 Tage haben wir eine Stunde Teammeeting via Zoom. Das funktioniert gut.

 

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn das alles vorbei ist? Angenommen, morgen ist Corona „aus“, was wäre das Allererste, was Sie machen würden?

Ich würde meine Kinder zusammenpacken und zu meinen Eltern fahren. Mein Vater ist Krebspatient, wir dürfen ihn also wohl für längere Zeit nicht sehen.

 

Was ist Ihr Tipp für andere Familien mit Schulkindern, denen vielleicht fad ist oder die Decke auf den Kopf fällt?

Meinen Kindern war ungelogen in diesen drei Wochen noch nie fad. Wir haben uns im Vorfeld so viele Dinge überlegt, zu denen ich jetzt gar nicht komme. Ich binde sie viel im Alltag ein (Kochen, Aufräumen, Backen, Wäsche, …) und ich lasse sie einmal pro Tag mit ihren Freunden skypen.

 

Was ist Ihre wichtigste Stärke in dieser “Corona-Zeit”?

Dass ich eine Frau bin und viele Dinge gleichzeitig tun kann, dass ich trotz allem positiv in die Zukunft schaue.

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