Immer wieder dieses Weihnachten


6. Dezember 2019   Dr. Sophia Bolzano
Weihnachten

Immer wieder dieses Weihnachten

Als ich ein Kind war, da war Weihnachten das Ereignis des Jahres. Die Vorfreude ließ uns überall das Christkind sehen, wir haben beleuchtete Bäumchen gezählt – damals gab es noch nicht so viele – und hatten roten Backen und kalte Nasen von langen Schneeballschlachten bis in die Dunkelheit hinein.

Inzwischen sind vierzig Jahre vergangen und ich erkenne dieses schöne, besinnliche Fest nicht wieder. Abgesehen davon, dass wir vor Weihnachten nur mehr selten Schnee haben. Nichts mehr von Ruhe und Vorfreude, keine feinen Familienabende mit Singen und Spielen und sich Einstimmen auf diese gemütliche, feierliche Zeit des Jahres.

Anfang November fangen schon die Werbungen im Fernsehen, Radio, in der Zeitung, auf Plakatwänden und in den Geschäften selbst an. Was wir nicht alles unbedingt brauchen, sonst wird Weihnachten ganz furchtbar. Die Kinder müssen das neueste Spielzeug haben, das iPhone 3000 superfast, die Erwachsenen Erlebnisse von Jochen Schweitzer & Co. Diese Zeit bis zum Fest ist voll von Stress, Santa Clauses eingeschleppt aus den USA und kitschigen, profitorientierten Weihnachtsmärkten soweit das Auge reicht.

Meine Großeltern haben in den 70er Jahren einen Adventmarkt zugunsten der Lebenshilfe in der Nähe von Salzburg gegründet. Der ist bis heute kaum verändert, alle arbeiten an den Adventwochenenden unentgeltlich für eine gute Sache. Von Maroni über Marmeladen, Christbaumschmuck und Eigenprodukten der Lebenshilfe Werkstätten wird dort vieles nachhaltig und sinnvoll verkauft. Der Reingewinn geht direkt an diese wunderbare Einrichtung. Wenn sich aus den Lautsprechern der Gesang aus der nahen Kirche über den Markt ausbreitet, habe ich immer noch das Gefühl, meine Weihnachtswelt ist in Ordnung, und bilde mir ein, einen Flügelschlag lang das Christkind gesehen zu haben.

Wenn ich jedoch zu dieser Zeit meine Mitmenschen beobachte, sind viele von Weihnachten unter Druck gesetzt. Die IKEA-Werbung vor Augen, wo sich alle Menschen bestens gelaunt in wunderschöner Umgebung feierlich fröhlich um einen Tisch scharen – das muss uns doch auch gelingen. Wir versuchen, diese Gefühlswelten zu erschaffen – und scheitern meistens daran. Alles muss perfekt sein, nur das Beste vom Besten – das macht unglaublich viel Stress.

In meiner Familie haben wir vor Jahren beschlossen, dass es nur ein Geschenk pro Person gibt (Kinder sind natürlich ausgenommen, da kann es auch mehr sein – aber auch in einem bescheideneren Rahmen). Etwas Persönliches, Kleines. Uns ist es vielmehr wichtig geworden, gemeinsam Zeit zu verbringen, unglaublich gutes selbst gekochtes Essen zu verputzen, zu lachen, zu spielen, zu musizieren (im Rahmen unserer Möglichkeiten) – einfach diese Zeit zu genießen. Auch der Ort wechselt. Einmal in Salzburg, dann wieder in Wien, dieses Jahr sogar im Ausland.

Der Kapitalismus und all seine Verlockungen werden uns gerade an Feiertagen wenig Wärme geben. Nur gute, tiefer gehende Beziehungen können das. Freunde, Familie, Besinnung auf das Wesentliche und Einfachheit erscheinen mir als wesentlich sinnvoller. Unser Leben mit all seinen Eindrücken, Schwierigkeiten rund um die Welt, Kriegen, Umweltkatastrophen und komplexen Abläufen ist schon vollgestopft genug. Nützen wir doch die Zeit um die Feiertage – ob religiös, spirituell oder agnostisch – um unsere Beziehungen zu stärken und zu beleben.

Wenn Sie nur mehr ein Jahr zu leben hätten, würden Sie dann Weihnachten auch so verbringen wie jetzt? Mit all dem Trubel, den Anstrengungen, dem Ich-muss-allen-etwas-schenken-und-alles-muss-perfekt-sein-Wahnsinn? Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten. Ich entscheide mich auf jeden Fall für Beziehungen zu meiner Familie, meinen Freunden. Die sind am Ende des Tages viel wichtiger für mein Seelenheil als das neueste Superding, das angeblich mein Leben erleichtert …

Eine etwas skurrile Frage zum Schluss: Wie feiert die Familie Putz ihr Weihnachtsfest? Ganz allein im Möbelhaus oder doch auch zuhause bei ihren echten Familien? Das habe ich mich immer schon gefragt. Wie dem auch sei – ich wünsche Ihnen allen wundervolle, genussreiche und feine Weihnachtsbeziehungen und ein großartiges, vielleicht etwas schlichteres Fest.

 

Ihre Sophia Bolzano 
Beraterin und Coach EAP-Institut

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